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«LV03» Landestriangulation 1. - 3. Ordnung

Anfangs des 20. Jahrhunderts wächst der Bedarf nach genauen Ver­mes­sungs­grundlagen stark an, vor allem für die nun neu eingeführte Grund­buch­vermessung (Amtliche Vermessung AV). Den Geodäten der Eidg. Landes­topo­graphie (L+T) stellt sich nun die Frage, ob das Netz der Grad­messungs­triangulation der SGK (LV1890) den An­forderungen genügt. Aus praktischen und zeitlichen Gründen wird beschlossen, das inzwischen über das ganze Land ausgedehnte Netz der SGK zu verwenden, obwohl Prof. Baeschlin von der ETH und der junge Ingenieur Hans Zölly davon abraten. Aus diesem Grund stützt sich der Bezugs­rahmen LV03 zum grossen Teil auf LV1890 ab. Nur im Alpenraum (Grau­bünden, Berner Oberland und Wallis) müssen die grossen Lücken in LV1890 mit einem östlichen und einem westlichen Alpennetzteil ergänzt werden. Für diese Arbeiten werden Theodolite mit Schrauben-Mikrometern von Hildebrand eingesetzt. Die Messungen und Berechnungen des Netzes 1. Ord. werden 1917 fertig gestellt.

Weil grosse Netzteile und damit der Massstab von LV1890 übernommen werden, sind auch in LV03 die Distanzen im Mittel um 3.5 ppm zu klein. Wohlwissend, dass gewisse Netzteile von LV1890 mangelhaft sind, werden Anlässlich der Messung der Verdichtungsnetze 2. und 3. Ordnung auch die Richtungssätze einiger Stationen 1. Ord. auf Anweisung von Hans Zölly neu gemessen und ersetzt. Diese Teile des Netzes 1. Ord. im Nordosten und Süden werden in der Folge neu berechnet. Dieses Vorgehen ist in der West- und Nordwestschweiz sowie im Jura nicht mehr möglich, da die Koordinaten bereits im Gebrauch sind. Dank den neuen Netzteilen über die Alpen, sind auf der Alpensüdseite die Koordinaten von LV03 etwas genauer als bei LV1890. Die Abweichungen erreichen selten einen Meter.

Die Landestriangulation LV03 zeichnet sich aus durch ihre sorgfältige Ver­sicherung der Fixpunkte (FP) und deren Dokumentation. Die FP-Anlage bleibt grossmehrheitlich über mehrere Generationen und bis zum heutigen Tag erhalten und dient als Ausgangsbasis für die AV (Triangulation 4. Ord.) sowie für die meisten Vermessungsbedürfnisse. Die L+T konzentriert sich nach dem 2. Weltkrieg auf den Unterhalt des Netzes und die Überarbeitung der FP-Dokumentation für die Zwecke der AV und der Armee (Ar­til­lerie­punktkarte und -protokolle).

Lange Zeit sind die Netzschwächen kein grosses Problem. Die Zwänge treten an Orten auf, wo sie nicht festgestellt werden oder für die Zwecke der AV nicht stören. Vor allem in bewaldeten Gebieten, wo der ur­sprüng­liche Netzaufbau schwach ist, zeigen die ab 1970 immer häufiger ein­ge­setzten elektronischen Distanzmessungen (EDM) Netzzwänge erbar­mungs­los auf. Die damalige Berechnungsmethode mit Einzelpunkt- oder kleinen Mehrpunktausgleichungen haben die Zwänge an Orte ver­drängt, wo sie erst mit dem Einsatz der EDM entdeckt werden. In den 1970er- und 80er- Jahren gerät die L+T unter Druck und muss vermehrt auf­ge­deckte Netzzwänge mit lokalen Flickarbeiten korrigieren. Die Methode, der Teil­erneuerung von LV03 erweist sich dabei nicht als nach­haltig. Die Netz­verzerrungen werden an den Rand der neuen Netzteile ver­drängt, wo un­schöne Übergangszonen oder Klaffen entstehen.

Rückblickend muss festgestellt werden, dass den Geodäten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Zeit und die Mittel fehlten, um der Gesellschaft einen Bezugsrahmen bereit zu stellen, der den Anforderungen längerfristig genügt hätte. Mit lokalen Erneuerungen des Netz 1. bis 3. Ord. gelingt es, die gravierendsten Zwänge zu eliminieren und die Bedürfnisse der AV für den Anschluss der Neutriangulationen 4. Ord. zumindest mittelfristig sicher zu stellen.