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«LV95» GNSS-Referenznetz und -Permanentnetz AGNES

1987 beschafft swisstopo vier Einfrequenz-GPS-Empfänger vom Typ Trimble 4000SL mit der Option, diese innert Jahresfrist auf Zweifrequenzen-Emp­fänger 4000SLD aufzurüsten. Ziel ist der Aufbau und die Messung eines landes­weiten hochgenauen Referenznetzes von GPS-Stationen, um für den Technologie­wandel in der Vermessung bereit zu sein. Nebst dem Einsatz für die LV werden auch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten für die effiziente Vermes­sung von Grundlagennetzen für grosse Infrastrukturprojekte (z.B. Bahn2000, NEAT) oder für die Ingenieurvermessung erkannt.

Die Ergebnisse im Testnetz Turtmann und von ersten Messkampagnen für grosse Ingenieurprojekte im Herbst 1988 vermögen sowohl bezüglich Qua­lität als auch bezüglich hervorragender Effizienz und guter Planbarkeit zu über­zeugen. Sie bestärken die Geodäten in ihrer Zielsetzung, möglichst rasch ein landes­weites GPS-Referenznetz höchster Präzision aufzubauen und zu messen.

swisstopo beginnt 1988 mit dem Aufbau des «GPS-Landesnetzes», einem von der bestehenden Landestriangulation weitgehend unabhängigen Netz mit 104 Hauptpunkten. Das LV95-Netz wird in vier Sektoren eingeteilt und in den Jahren 1989 bis 1992 erstmals gemessen.

Von 1994 bis 2001 wird das LV95-Hauptnetz zudem mit 103 Ver­dich­tungs­punkten ergänzt. Diese werden gestützt auf die lokalen Bedürf­nisse ausge­wählt. Total umfasst das LV95-Netz somit über 200 Punkte und wird seit 1998 von swisstopo alle sechs Jahre neu gemessen. Die Bezugs­rahmen LV95 bzw. CHTRF sollen die Referenz für alle Vermessungen in der Schweiz bilden. Ab 2016 sollen alle Georeferenzdaten in LV95 geführt werden, insbe­sondere auch die AV. Zudem dienen die Messungen für LV95 auch dem Aufbau der NEAT-Grundlagennetze zur Absteckung des Lötschberg- und

des Gotthard-Basistunnels.

Abgesehen davon, dass das GPS-Landesnetz mit modernen Methoden der Satelliten­geodäsie gemessen worden ist, stellt es nach wie vor ein kon­ven­tio­nelles geodätisches Netz mit dauerhaft versicherten Referenz­punkten dar. Mit dem Aufkommen moderner GPS-Auswertetechniken und Tele­kommuni­kationsmittel werden neue Wege der Bereitstellung von geo­dätischen Bezugs­rahmen machbar. Permanent betriebene GNSS-Stationen können als «aktive Kontrollpunkte» dienen, deren Daten entweder in Echt­zeit oder nachträglich für klassische GPS-Aus­wertungen zur Verfügung gestellt werden. Durch den permanenten Betrieb der Referenzstationen wird zudem die Genauigkeit und Aktualität der Bezugsrahmen erheblich gesteigert.

2001 baut swisstopo das Automatische GNSS-Netz Schweiz (AGNES) mit 31 Permanentstationen auf. AGNES wird als multifunktionales Referenznetz konzipiert, welches für Anwendungen in der LV und als Basis für Echtzeit-Positionierungsdienste sowie für wissenschaftliche Studien (Atmo­sphären­forschung und Geodynamik) verwendet werden kann. Es ist eine Ergänzung bzw. Weiterentwicklung des LV95-Netzes und realisiert den Bezugs­rahmen LV95 aktiv durch permanent betriebene GNSS-Stationen. Die Stabilität sowie die Funktionalität des AGNES-Netzes werden vom swisstopo-Aus­werte­zentrum durch tägliche Netzwerklösungen mit der Bernese GNSS Soft­ware überwacht. Die mittlere Standard­abweichung einer Wochen­lösung beträgt 1–2 mm in der Lage und ca. 5 mm in der Höhe. Die Mess­daten der AGNES-Stationen werden in einer Zentrale gesammelt. Dort werden sie gemeinsam verar­beitet und «in Echtzeit», d.h. innert einer Sekunde über den Swiss Positioning Service swipos® den Kunden zur Verfügung gestellt.