Kapitel III. Die ersten Aufnahmen
Ausser den im Vorhergehenden besprochenen kartographischen Arbeiten bietet das 16. Jahrhundert nur noch wenig dar: Der Genfer Du Villard, der 1563 für sich und seine drei Brüder einen k. Adelsbrief erhielt, soll eine Karte des Genfer-Sees entworfen haben, welche 1578 zum ersten Mal erschien, und dann in verschiedenen geographischen Werken nachgebildet wurde (1). Gesehen habe ich diese Karte bis jetzt noch nicht, und muss mich somit darauf beschränken von ihrer muthmasslichen Existenz Kenntniss zu geben
Zu Luzern erschien 1597 eine „Eigentliche und kanntlich Abcuntrafachtur der lobrichen Statt Luzern, von Martinus Martin, Goldschmit", die für ihre Zeit nicht ohne Werth war. Als Seckelmeister von Balthasar die verloren geglaubte Kupferplatte in den 80ger Jahren des vorigen Jahrhunderts wieder auffand, liess er sie (2) nochmals abziehen (3), und fügte in einer Brochure theils eine Erklärung von dem Plane, welchen er für sehr genau hielt, bei, — theils folgenden Auszug aus dem Bürger-Rodel: „Im Jahr 1593 wird dem Martinus Martin, dem Goldschmid uss Piinten, wegen s. Kunsterfahrenheit sowohl in s. Profession als Pitschierschneiden, das Burgerrecht geschenkt; dagegen verehrt er meinen Herren ein schönes Schälelin von Silber, gar künstlich getriben, 17 Lott schwär. Im Jahr 1601, weil Sachen uff jn kommen, so den Ehren ungemäss, wurde er mit Wib und Kind von Statt und Land verwissen, und jm für gemeldtes Schälelin 17 Kronen bezalt. Martin begab sich von Luzern nach Freyburg im Uechtland, und verfertigte im Jahr 1606 den Plan von diser Stadt, so wie auch eine Vorstellung der berühmten Schlacht bey Murten im J. 1646."
Ein wahrscheinlich aus dem Ende des 16. oder dem Anfange des 17, Jahrh. datirender Handriss (4) , welchen die math. milit. Gesellschaft in Zürich muthmasslich aus dem Nachlasse von Scheuchzer besitzt, stellt auf einem Blatte von 32 auf 24 cm. den grössten Theil von St. Gallen und Thurgau nicht ganz schlecht dar (5) , und enthält sogar einen schwachen Versuch von Bergzeichnung. Titel etc. fehlen; dagegen ist, wahrscheinlich von Scheuchzer, darauf geschrieben: „Ex Bibl. Abb. S. Gall“ (6). Scheuchzer erzählt bei Anlass seiner Reise von 1705 (7): „Ehe wir von Altorff aufbrechen, müssen wir nicht vergessen hinzukehren auf allhiesiges Rathhaus um daselbst zu sehen zwey Charten des Lands, deren die einte, mehr nach malerischer als geographischer Manier verzeiget das ganze Urner-Land mit zugehörigem Livinerthal, die andere aber absonderlich sich aufhaltet bey denjenigen Gränzgebirgen, welche das Urnerland von der Engelbergischen Herrschaft scheiden." Leider gingen diese Karten, welche noch Haller und Ebel citiren, und die nach Ersterem zwar „mehr nach des Malers Phantasie als nach der Natur gezeichnet", aber doch immer besser als die weit spätere Karte von Walser (8) waren, bei dem grossen Brande von 1798 verloren ehe sie gestohlen werden konnten.