Kapitel III. Die ersten Aufnahmen
„Herr Burgermeister, Hochgeachte, Woledle, Gestrenge, Fromme, Veste, Forsichtige, Wolwyse, Gnedige Herren"
schrieb Hans Conrad Gyger an die Zürcher-Regierung (1) :
„Nachdem ich von mynen jungen tagen an, nebent anderen Mathematischen Wissenschaften, einen sonderbaren Lust und Anmutung zu der Grundleggungskunst getragen, und disere myn Gemütsnejgung vor mehr als 50 Jahren von Fürnemmen Herren unsers loblichen Stands in obacht gezogen worden, so hat es denselben damahlen gnedig gefallen mir anzubefelen, diejenige Landcarten zu verfertigen, die noch heutigs tags in E. E. Wht. Züghuss befindtlich, und die zwüschent dem Ryn und der Rüss liggende Land begryfft (2). Diewyl aber underschidliche Hochansehnliche Häubter Euwers loblichen Stands by angezogener Landcharten anlaass genommen, nach einem solchen Werkh zu trachten, darinnen die Landtmarchen, Päss, ein- und ussgäng, auch andere umbstend des Zürichgebiets und desselben nechst angrentzenden Landen, ganz eygentlich und wol specificiert ab- und ufgetragen wurdend, und Ihnen gnedig gefallen dafür zu halten, das vilicht myn Wenigkeit Ihre begird erfüllen und werckstellig machen könne.
Als hab ich zwaren ein über alle massen grosse begird gehabt angedüten Herren müglichste Satisfaction zu leisten. Es habend mich aber an disem mynem Vorhaben allerhand sachen merklich gehindert. Namentlich myn domalen ähnlich beschwertes und zu nodtdürfftiger Underhaltung myner Handarbeit anderwertig erforderndes Husswesen: sonderlich aber die Wichtigkeit eines so nammhaften Werckhs selbs, so theils vil muy, Zyth und Unkosten, theils aber eine person erforderet, die mit mehreren qualliteten begäbet als ich geringfügiger.
Dessen aber alles ohngeachtet, hat die begird myner gnedigen Oberkeit gehorsamlich zu dienen, wie auch kunstliebenden Leuthen willfehrig zu sein, und vilichter auch ein natürlicher und allen menschen anhangender, hiedurch verhoffenlich erwerbender Ehrennammen so vil by mir gewürkt, dass ich alles andere uss der acht gesetzt, und vor 38 Jahren mich entschlossen dem werkh in Gottes nammen einen anfang zu machen, dasselbige fortzusetzen, und mit syner gnedigen hilff (dafür imme hochgedancket syge) zu vollenden, allermassen dass ganze werkh uff disem E. E. Wht. Rathhuss in einer gevierten Form vor Augen stehet.
Was nun für underschidliche angrentzende Ort und Herrschafften nebent E. E. Wht. Grichten und Gebieten dise Charten begryffe, wie darum allerhand Märchen und anstöss underscheiden, und wass derselben, und dessnahen künfftiglich entstehender Spanigkeiten halber für gründ und bewysstumb vorhanden, auch was sonsten vermittelst diser Charten zu Kriegs- und Fridenszyten daruss zum Vorthel geschöpft und abgefasset werden kan, dass ist (nebent der Charten) zum theil in bygefügtem Buch ussfürlich zu sehen (3), zum theil aber kan uff begähren sammptlich und absonderlich die mehren erinnerung und erlüterung mundtlich geschehen.
Obwolen nun dise Arbeith vil muy, Costen und Zyth erforderet, und ich gwüsslich dabey myn bestes gethan, so erkenne ich glychwol hiebey auch myner menschlichen gebrechen und schwachheiten, so by einem solchen wythläuffigen werckh nit wol uss blyben könnend. Ich erbiete mich aber uff befindenden mangel mich der Correctur und Verbesserung Jederwylen zu underwerffen und die nothwendig befindende enderung mit gutem willen zu erstatten.
In erinnerung nun, dass derglychen sachen an kainen andern Ort als in hoch Oberkeitliche Verwahrungen und Gehalter gehörend, habe ich die Küenheit genommen das ganze werckh E. E. Wht. myne Gnedigen Herren und Vätteren in aller Underthenigkeit zu zu eygnen und zu übergeben: gantz nit zwyflende, das glych wie dieselben gegen myner wenigen Person jederwylen einen Gnedigen und vernüeglichen willen bezüget, Also werde auch dise myn resolution nit in Ungnaden, sondern vil mehr in angewohnter grossen Gnaden, und zu einem Sigel und Pfand myner biss in den Todt bestendiglich beharrenden Vaterländischen Treuw, gehorsame und Ufrichtigkeit von Euch mynen Gnedigen Herren ufgenommen werden. Sy demüetig pittend mich, myn liebe hussfrauw und kinder in dero hoch Oberkeitlichen Hulden und Vätterlichen Gnaden noch fürbass und immerhin für bevohlen ze halten. Gott der Vergelter alles guten wolle Euweren hochloblichen Stand, und in demselben Euwer Ehrenpersonen, in allerhand Lybs und der Seelen wolfahrt Gnedigklich und vätterlich erhalten, zu ihrem eygnen und unser (dero Underthanen) zythlichem und Ewigen wolergehen."