Kapitel V. Spätere Detailarbeiten

 

39. Gamaliel de Roveréa.

Zu Bex 1695 geboren und ebendaselbst 1766 verstorben (1) , stand Ingenieur Isaac-Gamaliel de Roveréa lange Jahre mit grossem Erfolge den dortigen Salinen vor, begann 1726 die dann allerdings erst ein volles Jahrhundert später beendigte „Mine du Bouillet", und bildete sich in seinem ebenfalls zu Bex 1728 gebornen und 1783 verstorbenen Sohne Francois-Gamaliel einen tüchtigen Amtsnachfolger heran. —

In gegenwärtige Geschichte führt sich Vater Roveréa durch eine „Carte des quatre Mandements d'Aigle" ein, welche er mit grossem Fleiss und Geschick unter Anwendung geometrischer Methoden, wahrscheinlich grösstentheils mit dem Messtische, etwa im Maassstabe von 1/9000 aufnahm, — nach Haller „eine zehnjährige (2) , mit tausend Thalern würdig belohnte Arbeit". Es ist ohne allen Zweifel diese, im Mss gebliebene Arbeit, welche Antoine Chopy für s. oben besprochene Karte benutzte, und jedenfalls ist es die Karte, welche der Berner Franz Samuel Wild (3) , der nach dem Tode des Jüngern Roveréa zum Berghauptmann in Bevieux ernannt wurde, durch einen als Practicanten bei ihm arbeitenden Jüngling, den nachmaligen helvetischen Bergbaudirector Joh. Samuel Gruner (4) , etwa um 6¾ mal verjüngen, und sodann durch Joseph Clausner (5) stechen liess, um sie unter der Aufschrift
„Carte du Gouvernement d'Aigle levée topographiquement par Mr. de Roveréa, Père, et réduit par Mr. J. Sam. Grouner, avec des explications pétrographiques" s. classischen Werke „Essai sur la montagne salifère du Gouvernement d'Aigle. Genève 1788 in 8"
beizulegen. —

An dieser zur wirklichen Publication gekommenen Karte von 42 ½ auf 38 cm. mögen Zeichner und Stecher in Beziehung auf fleissige, auch die Gebirge recht brav darstellende Ausführung, nicht unbeträchtlichen Antheil haben; dagegen ist es natürlich Roveréa ausschliesslich gut zu schreiben, dass die Anlage s. Karte so genau ist, als man es nur immer erwarten kann (6) , und dass Wild, wenn er auch von einigen Fehlern im Detail spricht, doch beifügen muss: „Ces erreurs ne tombant que sur des pointes, et n'affectant que peu ou point le pays habité, j'ai préféré' de ne point toucher à un ouvrage qui n'est pas le mien", so dass man durchaus berechtigt ist die Arbeit von Roveréa den besten Arbeiten aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts beizuzählen. Sein eigenes Verdienst um diese Karte resumirt Wild in den Worten: „La seule part que j'aye personellement à cette carte est la partie pétrographique et la position du pays relativement a l'élévation du Pole", und theilt dann mit, dass er für die Breite von Bex (7) mit einem 7 zölligen Sextanten von Dollond im Mittel 46° 13' 17" gefunden, — die Meridian-Bogensecunde zu 105,27 Bernfuss angenommen, — ferner mehrere Azimuthe aus correspondirenden Höhen bestimmt habe. „Quant à la longitude", fügt er bei, „je ne l'ai pas marquée, parce que j'ai trouve une erreur dans mes observations faites il y a quelques années; et aujourd'hui que je suis pourvu de meilleurs instrumens mon logement ne me permet pas d'en faire" (8).