Kapitel V. Spätere Detailarbeiten
Von den Lebensumständen des etwa 1702 zu Rougemont gebornen, und muthmasslich gegen das Ende des Jahrhunderts ebendaselbst verstorbenen Samuel Loup habe ich sehr wenig in Erfahrung bringen können (1) , ja es ist sogar die sich mir zunächst aufdrängende Vermuthung, er möchte erst Messgehülfe von Roveréa gewesen und dadurch für die Topographie gewonnen worden sein, durch das unten Folgende zwar nicht gerade widerlegt, aber doch auch nicht bestätigt worden. —
Das erste Sichere geben folgende zwei durch Herrn Archivar Blösch im Berner-Kriegsrath- Archive aufgefundene Zettel an den Landvogt von Saanen von 1749 II 13 und 17:
„Weilen die Landcarte von einem Theil des Oberlands, zu deren Aussgebung der Auctor Samuel Loup von Rothenberg (Rougemont) sich die Bewilligung von MGH. den Kriegsräthen aussgebetten, schon würklich in Kupfer gestochen, wie das eingesandte Exemplar gewisen, haben Hochdieselben es hiebey auch lediglich bewenden lassen. Dessen Ihr MGH. hiemit nachrichtlich verständigt werdet", — und:
„Nachdem MHH. die Kriegsräth dess Samuel Loup von Rothenberg durch Euch M. G. H. eingesandte Landcarten von einem Theil des Oberlands eingesehen, haben sie nichts gefunden, so deren Aussgebung hindern könnte, mögen deswegen wol zu geben, dass besagter Loup diese Carten zum Druck bringen lassen. Dessen Ihr M. G. H. mit Zurücksendung derselben hiemit benachrichtiget werdet."
Da hiernach die Karte spätestens zu Anfang 1749 gestochen vorlag, — die Unterhandlung mit dem Stecher, R. Benning in London, die Ausführung des Stiches, und die Uebersendung des Probedruckes wohl mindestens ein Jahr in Anspruch nahmen, — so ist unzweifelhaft anzunehmen, dass die Zeichnung der Karte schon vor 1748 fertig war; welche Ursachen dagegen, trotz der erhaltenen Bewilligung, die wirkliche Ausgabe der Karte noch um einige Jahre verzögerten, ist unbekannt, und sicher nur, dass sie erst 1754 unter Beigabe einer Widmung von Loup an den Berner-Kriegsrath erfolgte (2).
Es macht diese Karte von 72 auf 55 cm., welche die Aufschrift „Carte chorographique de la partie occidentale de l'Oberland ou le Comté de Gruyères divisé en quatre Bailliages ou Gouvernements, assavoir Gruyères, Sanen, Obersibenthal et Nidersibenthal, ou se trouve le Gouvernement d'Aigle et le Bailliage de Vevay, avec les frontières de la République de Walais et les pays circonvoisins. Observé sur les lieux et dressé sur le Manuscript de Samuel Loup de Rougemont. Publié par Acte du Parlement" trägt, einen ziemlich günstigen Eindruck auf das Auge, und es verdient namentlich das in ihr hervortretende Bestreben, die Gebirgsgegenden naturgetreuer als bisher darzustellen, alle Anerkennung; dagegen ist die Genauigkeit der Anlage nicht so gross, dass man sie als auf durchgehender Vermessung beruhend ansehen dürfte (3) , und Haller, der als nachmaliger Kriegsrathsschreiber Näheres erfahren haben konnte, mag ganz Recht haben, wenn er erzählt, dass Loup vielfach à vue zeichnete, indem er die darzustellenden Gegenden „einigemal durchstrich" und dabei bestmöglich „die Lage der Oerter bemerkte."
Etwas richtiger, als der allgemeine Durchschnitt es mit sich bringen würde, ist die von Roveréa vermessene Gegend bei Loup ausgefallen (4) , aber doch auch nicht so, dass, entsprechend meiner oben mitgetheilten Vermuthung, der sichere Schluss gezogen werden dürfte, es sei, wenigstens im grossen Ganzen, die Karte von Loup aus einer Benutzung und Weiterführung jener Vermessung, bei welcher er betheiligt gewesen sein möchte, entstanden. Immerhin gehört die ganze Arbeit, welche auch recht befriedigend orientirt ist, indem der Meridian 25° 15' durch Thun und der Parallel 46° 30' durch Lausanne geht, zu den anerkennenswertheil Leistungen ihrer Zeit, so dass der Berner-Kriegsrath sich jedenfalls nicht überanstrengte, als er 1758 I 26 an Seckelschreiber Fischer den Zettel abgehen liess: „Nachdem sich Jean Rodolphe Loup von Rougemont auch vor MGH. den Kriegsräthen gestellt, um für s. Verwandten Samuel Loup, der sich dato zu London aufhaltet und eine Carte vom Oberland gemacht, um eine Gratification nachzuwerben, haben Hochdieselben dem Exponenten auss gewaltenen günstigen Considerationen zu einer Stür an die dissorts gehabten Unkosten Sechs Dukaten zuerkennt, mit Gesinnen an Euch M. G. H. Ihme solche zukommen zu lassen und M. G. H. zu verrechnen. — Der Exponent übergabe eine Karte, welche in das Kriegsrathsgewölbe geleget worden." —
Haller erwähnt ferner eine „in grossem Format" gezeichnete „Geographie antique et moderne ou manuscript des XIII Cantons Suisses, leurs sujets et leurs alliés comme ils sont aujourdhui, avec les routes au travers di ceux par les alpes dans la province Romaine en Italic, examiné et corrigé sur divers auteurs par Samuel Loup", und fügt bei: „Eine mühsame und doch nicht gar zuverlässige Arbeit, so noch dazu mit vielen Schreibfehlern befleckt ist. Auch sind die Muthmassungen aus der alten Geographie weder richtig noch zahlreich genug. Die Lagen verschiedener Oerter sind auch falsch angegeben. Loup bot diese Karte A. 1770 dem Kriegsrath zu Bern an."
Und in der That spricht Samuel Loup in einem noch im Berner-Archiv vorhandenen, aus Rougemont 1770 IX 28 datirten Briefe, in welchem er sich wegen später Uebersendung zweier verlangter Karten entschuldigt, und s. Geneigtheit ausspricht eine Karte des Kantons aufzunehmen, von einem Mss über die Schweiz, das er zur Beurtheilung eingegeben habe, — auch ist nach Herrn Archivar Blösch in einem altern, leider obsolet gewordenen Karteninventar eine „Carte des 13 cantons par S. Loup" verzeichnet. —
Endlich ist anzuführen, dass Herr Piccard die Notiz fand, es habe ein Geometer Loup 1766 einen Plan der Gemeinde Villeneuve aufgenommen, — und Vulliemin in s. Gemälde der Waadt von einer 1779 durch Samuel Loup veröffentlichten Karte des Genfersees und s. Umgebungen spricht, beifügend: „Diese Karte umfasst das ganze Waadtland, und ist für die damalige Zeit gut; nur ist sie sehr selten geworden."