Kapitel V. Spätere Detailarbeiten
Zu Bern im Jahre 1652 dem Müller Joseph Bodmer, einem Sohne des aus dem „Zürichpiet" nach Bern übergesiedelten und dort 1614 zum Bürger angenommenen Josua Bodmer (1) , von seiner Frau, Anna von Greyerz, geboren, ergriff Samuel Bodmer zuerst den Bäcker-Beruf, verheirathete sich 1680 mit Maria Wyss von Bern, und trat ungefähr zu derselben Zeit in die Bernerische Artillerie ein, bei welcher er bald zum „Stucklieutenant" avancirte, eine „Portion an der Pension für Artillerie-Officiers" erhielt (2) , und wahrscheinlich auch zur Instruction verwendet wurde (3) . Im Jahre 1695 erwarb sich Bodmer das Schlossgut zu Amsoldingen und das dortige Burgerrecht (4) , liess sich daselbst häuslich nieder (5) , und scheint allda auch einen Mühlgewerb besessen oder sogar betrieben zu haben, da er sich 1696 mit der Gemeinde wegen einem Mühlgewerbe verglich. (6)
Nebenbei begann er Aufnahmen zu machen, — entwarf schon 1701 eine, allerdings nach unsern
jetzigen Begriffen nicht sehr gelungene „Geometrische Zeichnung des gähen, kunstlichen, meistens in Felsen
gehauenen Wägs über die Gemmi herab ins Leuker- oder Walliser-Bad", welche aber Scheuchzer werthvoll
genug fand, um sie 1707 durch Joh. Melchior Füssli stechen zu lassen, und dieselbe Band III s. Naturgeschichten
des Schweizerlandes beizulegen, — und fand von 1705 an, wie wir sofort im Detail hören werden, als
„obrigkeitlicher Feldmesser" vielfache Verwendung. Während dieser Arbeiten fand der offenbar ausserordentlich
thätige Mann auch Zeit sich nach den da und dort vorkommenden Mineralien umzusehen, und brachte es bei der Gunst,
in welche er sich durch s. Leistungen bei s. Obern gesetzt hatte, dazu, dass 1709 nach dem Tode des
Landvogt Willading von Romainmotier das von diesem besessene Bergwerkspatent durch Räth und Burger
auf ihn und seine „Associaten"
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übergetragen wurde, kraft dessen sie das Recht erhielten „in MH. Potmässigkeit Mineralien zu suchen und zu graben",
immerhin „aussert Gold, Silber und Saltz, so wir Unss vorbehalten, dass wo sie nemlich dessen antreffen wurden,
sie schuldig sein solten solches in guten Treuwen Unss anzuzeigen und auff begehren zu überlassen, da dann Ihnen
die damit gehabten Costen neben einer ehrlichen Gratification gut gemacht werden sollen".
Ob das hiemit bewilligte
Suchen von Mineralien für Bodmer irgend einen greifbaren Erfolg hatte, muss ich dahin gestellt sein lassen;
dagegen ist es unzweifelhaft, dass solche Begünstigungen Neid erweckten, und, da man Bodmer auf andere Weise
nicht beizukommen wusste, der Versuch gemacht wurde auf Grund der im Taufbuche fehlenden Einschreibung s. Vaters,
sein Berner-Bürgerrecht und damit natürlich in damaliger Zeit auch s. ganze Situation in Frage zu stellen.
Es entstand so ein langer und heftiger Streit, aus welchem jedoch Bodmer schliesslich im Februar 1710 siegreich
hervorging, indem Räth und Burger auf gründliche Untersuchung hin beschlossen, dass Samuel Bodmer und überhaupt
allen von Josua abstammenden Bodmer „das ohneingeschränkte alte Regimentsfähige Burgerrecht, als Ihnen von
Rechtens und Herkunft wegen gehörig" zukomme. —
Bald nachher wurde Bodmer zu einem Augenschein in Betreff der schon 1698 von den Gemeinden Uttigen, Thierachern, Belp, etc. gewünschten, dagegen von Thun, Interlaken, etc. beanstandeten Abführung der Kander in den Thuner-See beigezogen, und, nach günstig ausgefallenem Gutachten (8) , 1711 II 18 „von MHH. zu einem Generalaufseher und Verleiter der am Durchschnitt dess Strätliger Bergs abgesteckten Arbeit die Cander in See zu leiten, bestellet und verordnet". Wirklich wurde sodann unter s. geschickten Leitung diese ebenso schöne als segensvolle Arbeit in etwa zwei Jahren zu allseitiger Befriedigung ausgeführt, und 1714 VIII 24 konnte Bodmer der Befehl ertheilt werden „das nun trocken stehende Canderbett" auszumarchen. Als Bodmer endlich im Herbst 1717 mit Ausarbeitung seiner bereits beiläufig erwähnten grossen Vermessungsarbeit ebenfalls fertig geworden war, konnte er sich mit dem Bewusstsein zwei wichtige Werke für sein Vaterland ausgeführt zu haben, in seinem lieben Amsoldingen mit gutem Gewissen zur Ruhe setzen, bis er 1721 ganz vom Schauplatze seiner langen und erfolgreichen Thätigkeit abgerufen wurde (9).