Kapitel V. Spätere Detailarbeiten

 

50. Pierre Bel und die Willomet.

Die beiden Karten
„Carte topographique de la Grande Route de Berne à Genève avec la juste distance d'une ville à l'autre et la place où les pierres milliaires sont posées distantes de 1800 toises, mesuré par Ordre de l'illustre Chambre des Péages et gravé par P. Bel, Ingenieur de L. L. E. E. de Berne. Publié le 1er Fevr. 1783", —
und:
„Carte topographique de la Grande Route de Berne à Zürich et Zurzach avec l'emplacement des pierres milliaires distantes de 1800 toises de 10 pieds de Berne. Mesuré et gravé par P. Bel, Ingr avec Permission et Privilège exclusif de L. L. E. E. de Berne 1787",
sind zwar nur Wegkarten, aber für ihre Zeit und in ihrer Art so vorzüglich, dass sie, und ihr Verfertiger, dennoch besondere Erwähnung verdienen (1).

Was zunächst diese beiden, in klein folio publizirten Karten, welche Ebel als „sehr genau" bezeichnet, betrifft, so besteht Erstere (ohne Titel und Uebersichtskarte) aus 15, und Letztere (ohne Titel) ebenfalls aus 15 Blättern. Jedes Blatt zeigt, ausser den (mit dem Compasse bestimmten) Himmels-Richtungen und der „Grande Route", die Grundrisse der an und neben der Letztern liegenden Ortschaften, die Waldungen und Gewässer, und eine durch Schraffuren dargestellte Terrain Zeichnung, welche namentlich in einzelnen Blättern, wie z.B. in Blatt 9 der ersten und in Blatt 6 der zweiten Karte, ganz hübsch ausgefallen ist.

Was sodann den Verfertiger der Karten anbelangt, so wurde Pierre Bel 1742 zu Payerne geboren (2), — von einem Bruder s. Mutter, dem sofort näher zu besprechenden Jüngern Ingenieur Pierre Willomet aus der Taufe gehoben, und wohl später auch von demselben in den Beruf eines Geometers eingeführt.

In Beziehung auf s. beiden Karten und s. übrige öffentliche Thätigkeit ergaben die Archive verschiedene Notizen. So liest man im Berner-Raths-Manual von 1783 III 21:
„Dem Ingenieur Sr Pierre Bel von Peterlingen für den Druck und Verkauf seiner verfertigten topographischen Karten, die Route von Genf nach Bern und von da auf Zürich und Zurzach enthaltend, ein Privilegium exclusivum auf zehn Jahr", — ferner: „Lausanne Praefecto. Ihme dessen berichten, mit Beifügen, da diese Garten gefallenem Berichte nach, sollen zu Lausanne nachgestochen werden, die Fortsetzung dieser Arbeit zu verhindern und bei entdeckenden Widerhandlungen gegen solch Privilegium exclusivum, das darinn enthaltene Poenale in Execution zu setzen."
Sodann im welschen Zollkammer-Manual:
„La chambre des Péages avait autorise Pierre Bel ingénieur et graveur de Payerne a lever cette carte moyennant une indermnité de 20 nouveaux doublons" ,
und:
„Il fit le plan et se chargea de la fourniture et du placement des pierres miliaires sur la route de Berne à Genève sous date du 26 Mars 1783."

Ferner in demselben Zollkammer-Manual von 1783 und 1787:
„En 1783 Pierre Bel est Inspecteur de la route de la Lignière a Rolle; ses journées furent portées de 25 à 40 batzen. A l'occasion de l'achèvement de la route de la Lignière à Rolle Exchaquet (3) et Bel reçoivent chacun une gratification de 160 livres pour leur inspection", —
und: „Le 25 Avril 1787 Bel reçut (ainsi qu'Exchaquet) une gratification pour l'inspection de la nouvelle route de le Côté de Rolle à Morges, savoir 160 Livres."

Endlich findet sich die Notiz (4):
„A. 1794 war dem Ingenieur Peter Meyer und Ingenieur-Hauptmann Bell die Bewilligung ertheilt worden die Hauptstadt und umliegende Gegend in eine topographische Karte aufzunehmen und herauszugeben", —
es scheinen jedoch die Zeitumstände die Ausführung dieses Planes vereitelt zu haben, und ich muss mich begnügen noch beizufügen, dass Pierre Bel im Jahre 1813 verstarb. —

Pierre Bel's mütterlicher Grossvater, Pierre Vuillomet oder Willomet wurde wahrscheinlich 1652 zu Payerne geboren (5),— diente, wie er selbst (6) mit den Worten erzählt, längere Zeit als Lehrer und Ingenieur im Auslande, — kehrte spätestens 1689, wahrscheinlich in Folge der Aufhebung des Edicts von Nantes im Jahre 1685, nach der Heimat zurück, — setzte sich in Bern, wo er sich in besagtem Jahre 1689 als Ingenieur anmeldete, und (7) durch Ingenieur Willading, der mit s. Prüfung betraut worden war, als brauchbar erfunden wurde, — beschäftigte sich dort Jahre lang mit Unterricht in der reinen und angewandten Mathematik, sowie mit verschiedenen Aufnahmen, und gab daselbst 1698 einen bemerkenswerthen „Traité de la grandeur des mesures, pots et quarterons, aunes, pieds et livres de poids en usage dans le Canton de Berne et quelques lieux voisins, avec la proportion qu'elles ont entr'elles. Le tout mis en ordre pour la commodité du commerce et taux des denrées et pour les mesurages géométriques par Pierre Willomet, ingénieur et géomètre de Leurs Excellences de Berne" heraus (8).

Da auf diesem Titel steht „Se vend à Berne et à Payerne chez l'auteur", obschon Willomet im Buche selbst sagt, dass er in Bern wohne, so muss man wohl annehmen, dass er damals bald da und bald dort lebte, — während er sich dagegen in s. älteren Tagen wahrscheinlich ganz nach Payerne zurückzog, wo er etwa 1730 starb. —

Sein ihm wahrscheinlich 1699 zu Bern geborner Sohn, der jüngere Pierre Willomet, welcher bereits oben als Oheim, Pathe und muthmasslieber Lehrer von Pierre Bel genannt worden ist, beschäftigte sich ebenfalls vielfach mit Aufnahmen, und es finden sich in den Archiven der Waadt noch mehrere Handrisse von ihm, die eine sehr geschickte Hand beurkunden sollen.

Von einer die Jahrzahl 1739 tragenden „Carte de la banlieue de Payerne" sagt Herr Piccard: „C'est un modèle pour l'époque",— und eine von 1745 datirende „Carte du Balliage d'Avenche avec la Baronnie de Grandcour, le Gouvernement et Avoyerie de Payerne, une partie de la Comté de Neuchatel, etc." hielt derselbe für werthvoll genug um von ihr, wenn auch mit Weglassung „du figuré des bois, des pentes et des teintes" noch 1846 ein Fascimile erscheinen zu lassen, das 94 auf 66cm. hält, und wirklich eine gar nicht üble Anlage zeigt (9). Haller spricht auch von einer Karte des Kantons Freiburg, welche derselbe um 1750 verfertigt und Landvogt May zu Oron besessen habe.

Endlich wird erzählt, dass Willomet später einige Zeit in London gelebt habe, und entweder dort, oder dann 1767 in Payerne gestorben sei, — etwas ganz Sicheres über s. letzten Lebenstage scheint sich nicht erhalten zu haben.