Kapitel XVI. Der Alpenübergang und die erste Commissionssitzung.
Zu Delsberg im Jahre 1792 geboren, fand Antoine-Joseph Buchwalder im Jahre 1807 an dem vortrefflichen Watt (1), der bei einer Aufführung der Knabenmusik auf ihn aufmerksam geworden war, einen väterlichen Gönner, der ihn nicht nur bei sich aufnahm, sondern nicht ermüdete ihn zu erziehen und nach Pestalozzi'scher Lehrweise theoretisch und praktisch zu unterrichten, — ja sogar 1812, als ihn das Loos zum Eintritt in die französische Armee bezeichnet hatte, einen Ersatzmann für ihn stellte.
Als bald darauf ein Geometer zu Gunsten eines Strassenprojectes eine Aufnahme in der Nähe von Delsberg machte, zeigte Buchwalder so viel Interesse für topographische Arbeiten und bei Copie des Planes so viel Geschick im Zeichnen, dass Watt für ihn von Schenk in Bern Messtisch, Messkette, etc. kommen liess, mit welchen er sich in den nächsten Jahren vielfach übte.
Da er überdiess in Folge vieler mit Watt gemachter Excursionen das ganze Bisthum bis in den kleinsten Detail kannte, so schien er geeignet May von Ruod, der im Frühjahr 1815 nach dem Jura gesandt wurde um auch da Hochwachten anzulegen, als Führer zu dienen, und nachher die von diesem mitgebrachte unvollständige und zum Theil ganz fehlerhafte Karte zu vervollständigen und zu berichtigen.
Die verbesserte Karte war zehn Tage später bereits in Bern, und gefiel dort so wohl, dass sie nicht nur Watt eine Verdienstmedaille und Buchwalder eine Gratifikation eintrug, sondern dass sie gestochen werden sollte. Hiegegen wehrte sich aber Buchwalder entschieden, und befürwortete eine wirkliche Aufnahme des Bisthums, zu welcher er sodann alsbald autorisirt wurde.
Mit einem ihm durch Oberst von Bonstetten (2) anvertrauten Theodoliten und im Anschlusse an das ihm von Trechsel communicirte Dreieck Bern-Chasseral-Röthi begann nun Buchwalder sofort die Triangulation des Bisthums, und führte darauf gestützt in den Jahren 1816—19 auch die Detailaufnahme durch, für welche er den Maassstab 1/96'000 der Osterwald'schen Karte des Kantons Neuenburg gewählt hatte.
Im März 1820 war die Zeichnung fertig, welche sodann auf Empfehlung des franz.
Generals Guilleminot, der damals
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für die Grenzbereinigung abgeordnet war, dem geschickten Kartenstecher Michel zu Paris übergeben wurde,
und 1822 konnte die
„Carte de l'ancien évêché de Bâle réuni aux Cantons de Berne, Bâle et Neuchâtel.
Levée de
1815 à 1819. Dédiée a Leurs Excellences de la Ville et République de Berne par A. J. Buchwalder,
Officier du Génie de la confédération helvétique" ausgegeben werden, — ein schönes Blatt von
68 auf 61 cm. mit sorgfältiger, wenn auch leider unter zenithaler Beleuchtung und ohne Beigabe von
Höhenquoten gegebener Terrainzeichnung, das grossen Beifall fand und noch später von Dufour für die
betreffenden Parthien s. Atlasses benutzt wurde. —
Nach Vollendung dieser Karte fand Buchwalder bei verschiedenen Strassenbauten, Grenzbereinigungen, etc. vorübergehende Verwendung, — stand auch mit Bern für Aufnahme des alten Kantons (4), mit Basel wegen Aufnahme der dortigen Landschaft (5) in Unterhandlung, ohne dass es jedoch zum Abschlusse eines wirklichen Vertrages kam, — und liess sich sodann 1825 durch Finsler für die Fortführung der eidg. Triangulation gewinnen, welcher er bis und mit 1834, wo ihn seine erschütterte Gesundheit zum Rücktritte veranlasste, mit grossem Geschick unermüdet oblag. —
Da die diese Triangulation betreffenden Arbeiten unter den folgenden Nummern einlässlich besprochen werden sollen (6), so bleibt hier nur noch beizufügen, dass Buchwalder 1835 als Strasseninspector im Jura, 1836, nachdem er die angetragene Aufnahme des Kantons Aargau ausgeschlagen (7), als „Ingénieur en chef des ponts et chaussées du Canton de Berne'' thätig war, — 1837 im Auftrage von Dufour „la levée de la carte depuis les Diablerets et l’Oldenhorn jusqu'au col du Sanetsch, et ensuite depuis Sion juqu'a St. Pierre" besorgte, — 1839 die Aufnahmen für das Eisenbahnproject Zürich-Basel dirigirte, — überdiess verschiedene Projecte für Strassen und Brücken bearbeitete, sowie zu mehreren Grenzbereinigungen und Inspectionen verwendet wurde, — und dann namentlich, nachdem er schon früher bei mehreren militärischen Actionen betheiligt und zum Genie-Oberst avancirt war, 1847 Dufour als „Quartier-maître général de la confédération" folgte, in welcher Stellung er bis 1857 thätig blieb. —
Im Jahre 1864 setzte sich Buchwalder zur wohlverdienten Ruhe, welche er noch gegenwärtig bei vollen Geisteskräften und guter Gesundheit geniesst, — einzig durch Schwäche der Augen in s. Beschäftigungen etwas beschränkt.