Kapitel XVI. Der Alpenübergang und die erste Commissionssitzung.

 

134. Bernhard Studer.

Nach dem 1824 von der Tagsatzung gefassten Beschlusse
„es solle, gleich der Aufnahme des grossen Netzes und der zweiten Triangulation, auch die fernere topographische Ausarbeitung in dem für gute Militärkarten erforderlichen Maasse, durch Anordnung der Militär-Aufsichtsbehörde bewerkstelligt und an ihre Leitung übertragen werden; die Eidgenossenschaft übernimmt alle mit der Bearbeitung dieser Militärkarten verbundenen Unkosten, die aus den jeweiligen besondern Krediten, welche die Tagsatzung hiefür bewilligen wird, zu bestreiten sein werden",

hatte die Militäraufsichtsbehörde die schwierige Aufgabe, neben der Weiterführung der trigonometrischen Arbeiten auch das zur Erstellung der Karte nöthige topographische Material zu sammeln, ohne dadurch grosse Kosten zu veranlassen, zu deren Deckung sie doch dazumal keine bedeutendem Summen angewiesen erhalten hätte.

Sie griff aus letzterm Grunde die Sache ganz verständig vorläufig damit an durch verschiedene in den Jahren 1825 und 1826 erlassene Schreiben die einzelnen Kantone zur Mittheilung, von Inventaren über die in den Archiven liegenden Aufnahms-Pläne aufzufordern; aber diess brachte natürlich die ganze Unternehmung von vornherein in einen etwas schleppenden Gang, während auf der andern Seite verschiedene praktische Bedürfnisse eine rasche Erledigung wünschbar machten.

So fühlten namentlich auch die Geologen den Mangel einer guten Karte in empfindlichster Weise, und unter ihnen ganz besonders der damals für die geologische Aufnahme unseres Landes äusserst thätige Bernhard Studer. —

Zu Büren, wo sein von Bern gebürtiger Vater Samuel Studer (1) seit 1789 als Pfarrer lebte, im Jahre 1794 geboren, war Bernhard Studer schon 1815 Lehrer der Mathematik am Gymnasium s. Vaterstadt geworden, hatte sich dann aber 1816 mit Urlaub zu weiterer Ausbildung nach Göttingen begeben, wo damals gerade auch Peter Merian von Basel (2) studirte, mit welchem er nicht nur bei Hausmann Mineralogie, bei Stromeyer Chemie, bei Gauss Theoria motus und Practische Astronomie, etc. hörte, sondern namentlich auch einen dauernden Freundschaftsbund schloss, in welchen später noch Arnold Escher von der Linth (3) als Dritter aufgenommen wurde.

Im Herbst 1818 kehrte Studer zu s. Lehrstelle zurück, übernahm nebenbei die Besorgung der öffentlichen Mineraliensammlung, und benutzte jeweilen die Ferien oder einen erbetenen Urlaub zu geologischen Reisen, deren Ziel gewöhnlich die Alpen, dagegen 1820 die Auvergne und Paris waren. Das Jahr 1825, in welchem seine Aufsehen erregenden „Beiträge zu einer Monographie der Molasse" erschienen, brachte Studer auch die längst gewünschte Beförderung, indem er den Mathematik- und Geographie-Unterricht in den obern Classen des Gymnasiums (4) , und zugleich ein Extraordinariat für die nach dem Tode von Meissner von der Professur für Naturgeschichte abgesonderte Mineralogie und die vor ihm in Bern kaum dem Namen nach bekannte Geologie an der Academie erhielt. —

Es kann mir nicht beifallen hier die lange und fruchtbare Lehrthätigkeit von Studer zu schildern, oder s. grossen Verdienste um die Schweiz. Geologie, s. vielseitigen, auch für diese Geschichte vielfach benutzten Leistungen als Schriftsteller, etc. — sondern ich habe nur das Eine Factum hervorzuheben, dass ihn das Fehlen einer für den Eintrag s. geologischen Aufnahmen auch nur irgendwie brauchbaren Schweizerkarte so störend und schmerzlich berührte, dass er sich veranlasst sah im Jahre 1828 in einem Schreiben an die Schweizerische naturforschende Gesellschaft diesen Mangel in gründlichster Weise zu beleuchten, und es als eine würdige Aufgabe dieser Gesellschaft zu bezeichnen, die Beseitigung desselben nach Kräften anzustreben.