Kapitel XVIII. Die Beendigung der Triangulation und die Ergebnisse.
In Folge der zweiten Commissionssitzung und des Drängens von Dufour, kamen die Arbeiten wirklich alsbald in etwas bessern Fluss; aber immer wurde noch arg geknausert, so dass Dufour in einem 1837 erstatteten Berichte klagte:
„Au lieu d'appeler des jeunes gens actifs, zèles, ayant les connaissances requises pour en former une brigade d'ingénieurs géographes et les attacher par un traitement fixe à cette grande entreprise, la Diète s'est bornée à allouer depuis 1'annee 1823 à 1832 inclusivement, des sommes tout à fait insignifiantes, puisqu'elles ne s'élevaient que de deux a quatre mille francs (1).
C'était vouloir la fin sans donner les moyens; aussi ne peut-elle s'en prendre qu'a elle même s'il y a peu de travail terminé au moment actuel. Si ceux qui ont dirigé les opérations ont un reproche à s'adresser, c'est de n'avoir pas déclare catégoriquement que l'exécution de la carte était impossible dans une limite de temps raisonnable sans des moyens pécuniaires suffisants.
Il est vrai que depuis 1833 l'allocation a été portée à 8000 francs, et que même quelques dépenses extraordinaires ont été accordées. Mais ce n'est point encore assez à beaucoup près. Aussi ai-je adressé dans mon dernier rapport la demande d'une somme de 14000 frcs. que je regarde comme un minimum, bien qu'elle paraisse sans doute exorbitante à beaucoup de gens" (3). —
Dufour hatte hiebei natürlich nicht nur die bald beendigte Triangulation, sondern namentlich auch die topographischen Aufnahmen im Auge, von welchen der nächste Abschnitt handeln wird, — für Erstere waren seit 1833 die nöthigen Mittel, wenn auch nicht gerade reichlich, doch genügend vorhanden, so dass gleichzeitig Buchwalder und Eschmann beschäftigt werden konnten, wie folgende chronologische Uebersicht ihrer Arbeiten und Erlebnisse zeigt:
1833 reducirten sich im Vorsommer die Arbeiten der beiden Ingenieure fast ausschliesslich darauf „à relever les
signaux abattus, à en construire de nouveaux, et à placer des bornes partout où il n'y en avait pas."
Von Mitte Juli hinweg bis Mitte November beobachtete sodann Buchwalder auf Napf, Röthi, Chasseral,
Gislifluh, Roemel und Faux d'Enson die noch nöthigen Winkel um, wie es in der zweiten Commissionssitzung
gewünscht worden war, den Anschluss an die französischen Messungen zu vollenden,
— während Eschmann den Rest des Sommers benutzte um im Kanton Luzern die Triangulation zweiter
Ordnung zu beginnen.—
1834 wurde die Zwischenzeit zwischen den beiden Basismessungen ebenfalls zum Trianguliren benutzt.
Nachdem Buchwalder im Mai eine Reihe von Winkeln für die Triangulation zweiter Ordnung im nordwestlichsten Theile der Schweiz gemessen, traf er gegen Mitte Juni mit Eschmann in Chur zusammen, von wo aus der Calanda bestiegen wurde, um dort von VI 16 — 20 theils gemeinschaftlich zu beobachten, theils Eschmann mit den umliegenden Signalen bekannt zu machen.
Letzterer erkältete sich bei dieser Gelegenheit so arg, dass er längere Zeit krank lag und in diesem Sommer nicht mehr wagen durfte ins Hochgebirg zurückzukehren, sondern sich mit Fortsetzung der im vorigen Jahre begonnenen secundären Triangulation begnügen musste, — Buchwalder dagegen bestieg VI 22 die Scesa Plana, und nachher das Schwarzhorn um das dortige Signal wieder herzustellen und ebenfalls krank zu werden:
„A peine arrivé au sommet qu'un vent violent s'éleva, puis la pluie qui nous trempa jusqu'aux os avant d'avoir achevé
le signal; enfin quand nous eûmes rétabli le signal nous étions transi de froid, dont le résultat fut pour moi une
transpiration arrêtée qui me fut bien fatale; car le 1er médecin m'administra 22 grains d'émétique<
(4)
qui ne produisirent point d'effet si non de m'enlever toutes les forces; puis un second médecin me dit:
Vous-êtes empoisonné par cet émétique resté dans le corps, et il faut Vous en donner une plus forte dose.
Il m'en administra 37 grains qui restèrent dans le corps avec les 22 premières. Le résultat fut que je fus 7 semaines
sans appétit et sans sommeil. Enfin le médecin me dit, je n'ai plus qu'un conseil à vous donner: c'est de changer
d'air; faites un voyage en Italie, peut-être qu'il vous remettra. Je suivis ce conseil, mais sans résultat; je fus donc
obligé de renoncer, et bien malgré moi à ces travaux qui avaient un si grand attrait pour moi."
So schloss das sonst so ausgezeichnete Jahr 1834, auf welches Dufour, Buchwalder und Eschmann auch für die Triangulation so grosse Hoffnungen gesetzt hatten, durch Vereinigung fataler Umstände, allerdings abgesehen von den beiden Basismessungen, fast ohne Erfolg, — ja entriss sogar mit Buchwalder dem Unternehmen eine seiner besten Stützen.
— 1835 liess sich dafür sehr gut an. Die Zeit von III 9 — VI 10, wo der viele Schnee in den Hochalpen deren
Besuch noch nicht erlaubte, benutzte Eschmann, wie wir aus den „Ergebnissen" ersehen, zur
„Revision aller Winkel von der Aarberger Grundlinie bis zur Seite Rigi-Hörnli, indem sich aus
mehreren Gründen vemuthen liess, dass einige Signale nicht mehr über ihrem frühern Mittelpunkte aufgestellt wären",
und überdiess „über die Zuverlässigkeit der aus verschiedenen theilweisen Arbeiten zusammengetragenen
Winkel" durch eine „gleichsam aus Einem Gusse hervorgegangene Dreiecksverbindung" für
diesen wichtigen Theil des Netzes eine scharfe Controlle wünschbar erschien.
Nach Mitte Juni ging er dagegen nach Bündten um wo möglich einmal den Alpenübergang zu vollenden, — wäre jedoch beinahe schon bei der ersten Besteigung, die dem Piz-Beverin galt, als Opfer derselben gefallen. Er schrieb mir nämlich 1835 VII 4 aus Colico in seiner launigen Weise:
„Wenn Sie jemals Bündten bereisen, so nehmen Sie das Wirthshaus in Andeer zum Hauptquartier (5), es ist eines der schönsten, die ich gesehen habe; auch haben die Wasserschaden-Commissaren es gemerkt, denn sie blieben lange Zeit daselbst, und es ist vielleicht noch nie ein Schaden so gut constatirt worden, wie der von Andeer. —
Gleich nach Ankunft (VI 23) bestellte ich meine Caravanne und bestieg noch den halben Piz Beverin: Zuerst nach Sitte der Berge eben fort, dann bergan durch Wiesen, dann kommt der Wald, und zuletzt die Alp. Den folgenden Morgen ging es anfangs über höckerichten Boden bis an eine schroffe, mit grossen schiferigen Steinen übersäete. Felswand.
Auf einmal stellt sich das erste Problem ein, — ein tiefer Trichter, an dessen innerer Fläche man auf kaum sichtbaren schiefen Fussstapfen horizontal gehen soll: Ein Fehltritt und es ist keine Gnade. Schon haben fünf Mann glücklich passirt, so stutzt der sechste, kündigt den Gehorsam auf, und kehrt nach Hause. Ich habe auch keine grosse Lust zu dem Wagestück, und schlage gemächlich einen, wie mir schien, bequemem Weg ein.
Nach vieler Mühe erreiche ich eine Höhe und sehe nahe bei mir das Signal, — erreiche es, suche die Stelle wo ich das Zelt hinstellen werde, und recognoscire die Gegend. Schon 1½ Stunden auf dieser Höhe, sehe ich keinen meiner Träger kommen. Ich schreie mich heiser, — keine Antwort. Endlich höre ich aus der Höhe mir zurufen, ich sei auf dem irrigen Weg. Ich antworte : Ich bin nicht auf dem Weg, ich bin beim Signal, ihr Narren kommt! Noch einige Laute, und ich höre Niemand mehr.
Nach einer Stunde kömmt der Führer zu mir, und erklärt das sei nicht der Piz Beverin, — das Signal sei von einem Hirten errichtet, — ich solle mit ihm kommen. Wir steigen, und steigen, bis eine 40' hohe senkrechte Wand uns aufhält. Unten an dieser Wand ist die Caravanne, und ist nur noch eine Viertelstunde von der Spitze entfernt. Mein Führer steigt und springt hinunter zu aller Entsetzen, — ruft mir aber zu, ich solle es nicht wagen. Ich bin lange zweifelhaft, was ich machen soll; endlich entschliesse ich mich 4000' hinunter zu steigen, und an einem ändern, ebenfalls sehr gefährlichen Wege wieder hinauf, bis ich endlich auf der Spitze bin.
Es war 4h Abends. Wir schlugen nun das Zelt auf (6), und verabschiedeten die Träger, uns selbst und sechs Duzzend Eyern überlassen. Ein nebliger Abend, — die Nacht durch Schnee, — den folgenden Tag Nebel, — den zweiten dito, — der dritte endlich gebar die Beobachtungen. Um 12h Mittags steige ich herunter, —glitsche auf einer steilen, langen Schneehalde aus, -— kann mich nicht mehr halten — und rufe: Es ist aus mit mir! als auf einmal die Vorsehung mir zu Hülfe kommt, und mir so viel Geistesgegenwart .gibt mich umzukehren, das Gesicht gegen den Berg und rasche Tritte in den Schnee mit den Schuhen zu stechen, — und so war ich gerettet.
Auf der Alp suche ich schnell 4 Männer, um noch denselben Abend das Gepäck zu holen, und erreiche am Abend noch Andeer. Nicht wahr, die Gelehrsamkeit hat nicht so viel Gefahren wie die Praxis? —
Im Dorfe traf ich Alles am Tanzen an; denn es war Kapitelsonntag, d.h. Synode aller protestantischen Geistlichen im Kanton; und da nicht gepredigt wird, tanzt man überall von Sonntag Mittag bis Dienstag Abends, die Nächte mit gerechnet. Daher mag wohl das Wort kapitelfest kommen. Am Montag machte ich das Fest mit, und noch nie war ich fröhlicher als nach diesen Strapatzen." —
Eschmann fügte dann noch bei:
„Am 1. Juli passirten wir die Grenze am Splügen, aber anstatt meines Begleiters, Capt Marieni,
war eine Depesche von General Campana da, worin er mir die Unmöglichkeit beschreibt den Hauptmann
fortzulassen, und mich bevollmächtigt allein zu reisen, was mir fast noch lieber ist. Ich kam also
vorgestern in Colico an, und wollte 4 Männer zum tragen haben; aber alle sagten, es sei zu schwer,
und so musste ich 7 anstellen.
Der Monte Legnone ist leicht zu besteigen, und dennoch desertirten zwei Mann mitten am Berg. Ich musste also das Zelt zurücklassen, und den Berg im Sturm einnehmen, was mir bei diesem schönen Wetter gelang. Die Aussicht ist weit schöner als auf dem Rigi: Man sieht fast den ganzen Comer-See, den Luganer-See, den Lago di Varese, das Veltlin, Mailand und die ganze Kette vom Monte Rosa bis zu den Salzburger-Bergen."
Nachdem Monte Legnone wurden sodann bis Mitte August noch der Pizzo Menone und Pizzo Porcellizzo, und nach Rückkehr in die Schweiz der Cima di Flix und das Schwarzhorn, in Folge guter Witterung je in relativ sehr kurzer Zeit absolvirt, — gerade ehe ein Trauerfall in s. Familie Eschmann nach Zürich zurück rief, und ihm den Muth zu weitern Expeditionen total benahm.
Da jedoch Dufour dennoch den dringenden Wunsch äusserte, dass die für Vollendung des Alpenüberganges
noch fehlenden zwei Punkte, die Forcola rossa und der Pizzo Forno, noch im gleichen Herbste absolvirt werden
möchten, so versprach es Eschmann unter der Bedingung, dass er, um sich nicht so allein zu fühlen, mich
mitnehmen dürfe. Da Dufour meine zeitweilige Anstellung genehmigte, so hatte ich nun zum dritten Male die
Freude mich an der eidg. Vermessung etwas zu bethätigen:
Wir verreisten IX 9, konnten aber wegen schlechter Witterung erst IX 19 von Vrin aus die bereits tüchtig
angeschneite Forcola rossa besteigen, wo glücklicher Weise zwei Tage ausreichten um die nöthigen
Winkel zu messen, so dass wir IX 21 ins Tessin niedersteigen, und von Giornico aus IX 25 auch noch
den Pizzo Forno absolviren konnten.
Nachdem so der Wunsch von Dufour erfüllt war, feierten wir den glücklich beendigten Alpenübergang noch würdig mit einem kurzen Abstecher nach Mailand, und langten sodann X 9 glücklich wieder in Zürich an. —
1836 suchte Eschmann zunächst in der Centralschweiz eine Reihe von Punkten, wie Six Madun, Tödi, Hundstock, Titlis, Pilatus, Hohenstollen, etc. auf (7), welche geeignet erschienen das Bündnerische Netz mit den vom Berner-Oberland und Wallis herkommenden Dreiecksketten (8) in eine directere Verbindung zu bringen.
Da es ihm ferner im Herbst gelang die noch rückständigen Winkel auf Sentis und Gäbris zu erhalten, so war
schon Ende 1836 das ursprünglich in Aussicht genommene Netz fertig, und es hatte Dufour die Satisfaction
in s. betreffenden Jahresberichte auszusprechen:
„Toutes les lacunes qui restaient encore dans la grande chaîne des triangles primordiaux ont été
comblées, en sorte qu'on est enfin arrivé à des résultats définitifs et que notre jonction avec les états voisins
est bien arrêté." —
1837 endlich maass Eschmann zum Schlusse noch von VI 6 — IX 12 die Winkel in dem voriges Jahr über die Centralschweiz gelegten Vermittlungs-Netze, und erwarb sich damit den Ruhm in wenig mehr als drei Campagnen die grosse und ihm nach dem Rücktritte von Buchwalder allein zugefallene Aufgabe bewältigt zu haben, obschon er sie durch die 1835 unternommenen Revisionsarbeiten und das 1836/7 eingeschaltete Centralnetz noch weiter ausgedehnt hatte, als es ursprünglich in Aussicht genommen worden war.