Kapitel XX. Die Ausgabe der Karten.

 

159. Der sog. Dufour-Atlas und die Generalkarte.

„Um die auf der schweizerischen topographischen Karte anzuwendende Methode der Zeichnung und Beleuchtung des Terrains, zu studiren",
erzählt der im November 1877 ausgegebene Katalog der topographischen Ausstellung in Bern, „liess General Dufour von 1841 bis 1844 durch die Ingenieure Wolfsberger, Bétemps und Stryenski die zum Blatt XVII gehörenden Aufnahmsblätter im Maassstab der Aufnahme mittelst Schraffen und in schiefer Beleuchtung zeichnen (1).

Die so entstandenen vier Blätter gehören zu dem Schönsten, was überhaupt in topographischer Zeichnung geleistet worden ist, und diesen Studien der Herren Wolfsberger und Bétemps ist es zu verdanken, wenn die Terraindarstellung im Dufour-Atlas einen künstlerischen Werth besitzt, der allgemeine Anerkennung
gefunden hat.
Darauf wurde eine Reduction in dem (schon 1832 für die Publication festgesetzten) Maassstabe 1/100’000 angefertigt, und nach dem Muster der vier Blätter gezeichnet und beleuchtet. Aus diesen Studien ist als Resultat die Methode der Gebirgszeichnung hervorgegangen, welche in der Folge für alle Blätter des Dufour-Atlas in Anwendung gekommen ist." —

Muthmasslich wurde schon die eben angeführte Reduction auf 1/100’000 für das Blatt XVII durch Goll ausgeführt, — jedenfalls aber besorgte er für die meisten der übrigen Blätter die nach den eingelieferten Minuten anzufertigenden Reinzeichnungen für den Stich, und es sind diese Blätter, deren erste vollständig ausschraffirt wurden, wundervoll gezeichnet.

Jedes derselben musste nach s. Vollendung Dufour vorgelegt werden, und erst wenn es von ihm die Signatur „Vu et approuvé" erhalten hatte, wurde es dem Stecher überantwortet, der, so lange er ganz ausgeführte Vorlagen erhielt, ein relativ leichtes Spiel hatte, während er allerdings später, wo ihm nur Pausen mit den Curven und Felsen gegeben wurden, grössere Schwierigkeiten überwinden musste. War der Stich einer Parthie eines Blattes vollendet, so wurden Probeabzüge gemacht, — diese theils von Dufour, Goll, etc., theils von Sachkundigen, denen man sie zusandte, genau geprüft, — und erst, wenn bei allen Parthien Alles in Ordnung befunden wurde, der wirkliche Abdruck angeordnet. —

So entstand nach und nach der Atlas, für welchen Dufour die Schweiz von Nord nach Süd in fünf Schichten, und jede der Schichten von West nach Ost wieder in fünf Blätter abgetheilt hatte, so dass er entsprechend dem 1833 gefassten Beschlüsse 25 Blätter erhielt, von welchen 7, 8, 9, 12, 13, 14, 17, 18 und 19 Mittelblätter, die übrigen Randblätter sind (2).

Das von Ch. Dyonnet gestochene nordwestliche Eckblatt I enthält ausschliesslich den Titel und einige allgemeine Angaben, nämlich:

„Topographische Karte der Schweiz, vermessen und herausgegeben auf Befehl der eidgenössischen Behörden." —

Diese Karte, nach Flamsteed's modificirter Projection entworfen (3), hat als Mittelpunkt die Sternwarte zu Bern, wurde aufgenommen und reduzirt durch eidgenössische Ingenieure unter der Aufsicht des Generals G. H. Dufour. —

Maassstab der Karte 1/100’000.

Die Aufnahmeblätter wurden nach den genauesten geodätischen Methoden in doppeltem und vierfachem Maassstabe verfertigt. Die Zahlen bezeichnen die Höhe in Metern über das Meer. —

Geographische Lage des Mittelpunktes:
Nördliche Breite 46° 57' 6",02 = 52gr,1685.25;
östliche Länge von Paris 5° 6' 10",80 = 5gr,6700.00".

Von den übrigen 24 Blättern wurden gestochen:
Blatt 2—5, 9, 11, 15—17 und 20 von Bressanini und Müllhaupt (4), —
Blatt 6, 7 und 21 von Bressanini und Bachofen, —
Blatt 8, 10, 12—14, 18, 19, 22 — 24 von Müllhaupt (5), — und
Blatt 25 von Stempelmann.

Das nordöstliche Eckblatt V wurde zum Theil zu einem
„Verzeichniss von Ortsbenennungen in verschiedenen Sprachen" benutzt, —
das südwestliche Eckblatt XXI zum Theil zu einer
„Uebersicht der Blätter des Atlasses", —
das südöstliche Eckblatt XXV endlich grösstentheils zu einem Verzeichniss der
„Höhen der vorzüglichsten Punkte". —

Stellt man alle 25 Blätter in möglichst uniformen Abdrücken zu einer Wandkarte zusammen, so erhält man ein wunderschönes Relief des Landes, das so recht die Vorzüglichkeit der ganzen Arbeit zeigt. Ganz besonders gelungen war eine solche Zusammenstellung, welche das Stabsbureau für die Wiener-Weltausstellung von 1873 machte, sich die grosse Mühe nehmend die Blätter noch zusammenzuarbeiten; sie wurde damals von E. Nicola in Bern auf einem Blatte von 48 auf 33 cm. photographisch reproducirt, das unter dem Titel „Relief-Karte der Schweiz. Zusammengestellt und retouchirt vom eidg. Stabsbureau 1873" in den Handel gebracht wurde. —

 

Schon mehrere Jahre vor Beendigung des Atlasses wurde auch die, für gegenwärtige Geschichte fortwährend zur Vergleichung benutzte, Generalkarte begonnen, welche unter dem Doppeltitel
„Karte der Schweiz in vier Blättern. Nach dem topographischen Atlasse des eidg. Generalstabes reduziert unter der Direction des Herrn General G. H. Dufour. — Maassstab 1/250’000", und
„Generalkarte der Schweiz. Nach Dufour's topographischer Karte der Schweiz in 25 Blatt reduzirt auf 4 Blatt. Maassstab 1/250’000" erschien.

Die Ausführung war Goll übertragen worden, welcher jedoch vor s. Tode nur noch Ein Blatt (Nr. 2) auf Stahl übertragen, und für die andern Einiges vorbereiten konnte. Müllhaupt trat nun für ihn in den Riss, — nur die Zeichnung zu Blatt I rührt von Steinmann (6) her. —

Die beiden erstvollendeten Blätter des Atlasses, die Blätter XVI und XVII, konnten von Dufour im Jahre 1845 der Schweizerischen naturforschenden Gesellschaft, welche durch ihr Vorgehen zu Gunsten der Karte ein besonderes Interesse an solchem Erfolge haben musste, bei ihrer Versammlung zu Genf vorgelegt werden, und wurden sowohl von derselben, als sodann nach der sofort erfolgenden Ausgabe im Allgemeinen von Fachmännern und Laien mit grossem Beifall aufgenommen, und so schrieb z.B. damals Charpentier aus Bex an s. Freund Lardy :
„Cette magnifique carte surpasse en exactitude de dessin du terrain et en beauté d'exécution de la gravure tout ce que je connais en fait de cartes. En voyant devant soi la feuille XVII on ne croit pas voir une carte mais bien la contrée même depuis un aérostat à une grande élévation", —
während sich nach Vollendung der Karte Petermann in s. Mittheilungen äusserte:
„Die Dufour'sche Karte in 25 Blättern vereinigt eine genaue Aufnahme mit meisterhafter naturgemässer Zeichnung und schönem geschmackvollem Stich in so ausgezeichneter Weise, in einem so harmonischen Ganzen, und gibt ein so naturwahres Bild der imposanten Alpennatur, dass wir sie unbedingt als die vorzüglichste Karte der Welt ansehen."

Aber da es einmal kaum möglich ist etwas Grosses zu schaffen, ohne dass dabei einzelne Interessen verletzt werden, oder bestehende Ansichten unberücksichtigt bleiben, und da bei den besten menschlichen Leistungen auch immer einige wirkliche Fehler unterlaufen, so liess auch schon nach Erscheinen der ersten Blätter weder die bittere, noch die kleinliche Kritik lange auf sich warten, und da ihr von der andern Seite Empfindlichkeit und theilweises Missverständniss entgegentrat, so entspann sich eine damals Aufsehen erregende Fehde, welche in einigen berechtigten Punkten nicht ganz ohne guten Einfluss auf die spätem Blätter blieb, auf die es aber gegenwärtig kaum mehr Interesse haben dürfte einlässlicher zurückzukommen.
Ich ziehe vor statt dessen noch folgende auf die Dufour-Karte und eine ebenfalls ausgeführte Kritik derselben bezügliche Stelle aus dem mehr benutzten Rapporte
von Henri de Saussure (7) aufzunehmen :
„Le Système adopté par l'auteur consistant, contrairement à l'usage reçu, à représenter le terrain au moyen de la lumière oblique, avait d'abord été l'objet de nombreuses critiques; mais il a été couronne d'un plein succès, et le procédé, depuis lors généralement adopté, a ouvert une voie nouvelle dans le domaine du dessin topographique.
En effet, quelles que soient les raisons théoriques que l'on peut invoquer en faveur de la lumière verticale, celle-ci conduit inévitablement à l'exagération du noir dans des pays montagneux, et il en résulte pour le lecteur une obscurité que l'art est impuissant à conjurer.

Dufour jugea avec beaucoup de raison que, tout en observant une exactitude mathématique jusque dans les moindres détails, on pouvait faire d'une carte une oeuvre d'art et lui donner le facies d'un tableau qui représenterait réellement le relief du terrain et mettrait ainsi la lecture de la carte à la portée de chacun. Le résultat surpassa l'attente. La clarté qui règne dans cette carte, malgré la masse de détails dont elle est chargée, est telle que chaque maison, chaque chalet des montagnes s'y trouvent indiqués et y apparaissent avec netteté. —

Les caractères les plus saillants de cette carte sont:

1° L'exactitude du canevas géodésique.

2° L'exactitude du figuré du terrain.

3° La lucidité de toutes les parties.

4° La remarquable exécution artistique.

5° Le fait d'être une oeuvre de science pure et de n'être point sacrifiée à une utilité specialement militaire. —

Au premier de ces points de vue elle ne surpasse pas les cartes d'état-major de plusieurs pays; mais à tous les autres elle offre des avantages que les connaisseurs ont depuis longtemps apprécies. — Le coût total de l’établissement de la carte s'élève à environ un million, somme bien faible pour une oeuvre pareille et qui n'a pu suffire que grâce au dévouement et au désintéressement de tous ceux qui y ont concouru". —

 

Nach Vollendung der Karte und nach Eingang des von General Dufour erstatteten Schlussberichtes, erliess der Bundesrath zu Anfang des Jahres 1865 an ihn ein von Präsident Schenk und Kanzler Schiess gezeichnetes Schreiben, das wie folgt lautete :

„Monsieur le Général.

Le conseil fédéral a reçu le rapport final sur l'exécution de la carte de la Suisse que vous avez remis à son Département militaire et il en a pris connaissance avec un vif interêt. Il a décidé de le faire publier et de le mettre sous les yeux de l'Assemblée fédérale. —

Le conseil fédéral y a vu retracés les commencements de la grande entreprise que vous avez si bien inaugurée, que vous avez conduite sans interruption pendant plus de trente années et que vous avez si heureusement menée à bonne fin. Il remplit une agréable mission en vous exprimant ses sentiments de vive reconnaissance. —
Vous avez accompli la tâche longue et difficile que vous avez acceptée d'une manière qui fait honneur à votre énergie et a votre persévérance, à vos talents distingués, à votre science élevée comme à votre dévouement et à votre sollicitude pour les interêts publics. —
Les qualités que la Patrie aime à retrouver en vous, qu'elle a si souvent employées à son service et sur lesquelles elle compte pour l'avenir dans toutes les circonstances, ces qualités ne se sont jamais démenties dans tout le cours de l'oeuvre que vous venez de terminer. —

Cette oeuvre vous honore !
Elle porte le cachet de votre esprit et de votre caractère et l'on se plaira dans les temps futurs à lui associer votre nom vénéré. —
Mais cette oeuvre honore aussi le pays, qui a pu, avec de faibles ressources et des dépenses limitées, par une sage et prévoyante direction, au chiffre le plus modeste, produire un monument que l'on peut mettre en parallèle avec ce que les grands Etats on fait dans ce genre de plus parfait et de plus beau, —

La Patrie sait apprécier, Monsieur le Général, la valeur des Services que vous lui avez rendus : elle en conservera le souvenir. Le conseil fédéral vous prie de voir dans le nouvel hommage qu'il vous rend aujourd’hui, une faible expression de sa haute estime pour votre personne et de la reconnaissance qui vous est dûe pour tout ce que vous avez fait pour votre pays."

Gleichzeitig mit diesem Schreiben liess der Bundesrath dem General einen silbernen Tafelaufsatz von circa 4000 Fr. Werth überreichen, welcher die Inschrift zeigt: „Au Général G. H. Dufour, auteur de l’Atlas topographique de la Suisse, au nom de la Confédération, le Conseil fédéral."
Und im folgenden Jahre sprachen noch die Stabsofficiere ihren besondern Dank aus, indem sie Dufour eine von A. Bovy ausgeführte goldene Medaille von 6 cm. Durchmesser überreichten: Sie zeigt auf der Vorderseite ein sehr gutes Bild mit der Umschrift „Guillaume-Henry Dufour Général", — und auf dem Revers liest man: „Au patriotisme, à l'énergie persévérante, à l'art et à la science, qui dotèrent la Suisse de la Carte fédérale, l'Etat-major reconnaissant. 1866."