Kapitel XXI. Die kantonalen Sternwarten.

 

166. Einige andere Sternwarten.

Ein Bruder des als Wohlthäter Griechenlands oft genannten Jean-Gabriel Eynard von Genf, Jacques Eynard (1), hatte sich in Rolle eine kleine Privatsternwarte eingerichtet, auf welcher er z. B. in den Jahren 1815 und 1816 die Sonnenflecken, im Jahre 1819 den damaligen Kometen, etc., beobachtete (2).

Genaueres über s. Instrumente, etc., ist mir nicht bekannt geworden; dagegen scheint es aus einem Briefe, welchen der bekannte Mathematiker Develey (3) 1817 IX 6 aus Lausanne an Horner schrieb (4), hervorzugehen, dass Eynard mit ihm befreundet war, und ihn in s. Bestreben, ebenfalls eine kleine Sternwarte zu erhalten, unterstützte. Develey war damals der besten Hoffnung zu reussiren, und schrieb noch 1818 VIII 28 an Horner:
„Je vous ai parle, Monsieur, de mon projet d'observatoire, je fais tous mes efforts pour le réaliser. Nous avons acquis une excellente pendule de Berthoud, et nous avons commandé à Munich un cercle répétiteur et un équatorial.
Nous attendons ces instrumens auxquels nous joindrons un compteur, un baromètre et un thermomètre, et nous croyons que cela pourra nous suffire pour toutes les observations.
Il s'agit maintenant, Monsieur, de bâtir l'observatoire même, et j'ai trouve un emplacement très-beau, mais qu'il faut obtenir de notre municipalité, c'est au-dessus du jardin de notre société de l'arc, où nous avons fait nos dîners
(5); on me demande de présenter un plan fixe et arrêté, et c'est pour cela, Monsieur, que je viens vous
consulter : Un petit observatoire rond, de dix a douze pieds de diamètre intérieur, avec un toit tournant, me semble suffisant pour nos besoins"
;
aber später verlautet kein Wort mehr, so dass Develey muthmasslich doch nicht zum Ziele gelangte. —

 

Der Sternwarten von Scherer in St. Gallen und Castell ist bereits früher gedacht worden (6); dagegen ist noch die kleine Sternwarte zu erwähnen, welche sich der Pfarrer Daniel-Edouard Reynier (7) in der hochgelegenen neuenburgischen Pfarrei Planchettes errichtet hatte. Mit dem von Lalande hochgeschätzten Pierre-Antoine Mougin, Pfarrer in dem jenseits des Doubs liegenden Dorfe La Grand'Combe-des-Bois, befreundet geworden, hatte ihm dieser seine schönen Instrumente vermacht, welchen Reynier, der auch mit dem bekannten Optiker Pierre-Louis Guinand, dem Lehrer Fraunhofer's in der Flintglasfabrication (8), sehr gut stand, noch ein von diesem erhaltenes Telescop von 7 bis 8 Zoll Öffnung beigefügt haben soll. Reynier soll fleissig beobachtet, und mit Herschel, Arago, etc. darüber in Correspondenz gestanden, aber sich immer geweigert haben, die erhaltenen Resultate zu veröffentlichen. Sein schriftlicher Nachlass war noch vor wenig Jahren vorhanden, wurde aber von der Familie hermetisch abgeschlossen, so dass auch da nichts Genaueres zu erfahren war. —

Noch könnten einige, mit stärkern optischen Hülfsmitteln ausgerüstete schweizer. Freunde der Astronomie genannt werden, wie die Ziegler in Winterthur, May in Bern, Mägis in Schaffhausen, etc.; da sie jedoch mehr mit descriptiver, als mit messender Astronomie sich befassten, so möchte es hier doch nicht der Ort sein näher über sie einzutreten.