Kapitel XXIII. Die geodätische Commission.
Die Commission fand, es sei vor Allem aus wichtig
— die drei in Thätigkeit befindlichen und in ihr durch ihre Directoren repräsentirten Schweiz.
Sternwarten Genf, Neuenburg und Zürich mit dem schweizerischen Dreiecksnetze genau zu verbinden,
— sie, soweit es nicht schon geschehen, mit einander auf telegraphischem Wege in Länge
zu vergleichen, ebenso mit gut bestimmten Sternwarten oder astronomischen Punkten der Nachbarländer,
— von ihnen aus die Azimuthe einzelner trigonometrischer Punkte zu bestimmen,
— und endlich, so weit noch nöthig, ihre Polhöhen scharf zu ermitteln, und die Länge des
Secundenpendels mit einem von der Commission bei Repsold zu bestellenden Reversionspendel zu messen.
In zweiter Linie sollen an mehreren andern, entweder dem Dreicksnetze angehörenden, oder mit ihm leicht zu verbindenden Punkten Bestimmungen von Azimuth, Polhöhe und Pendellänge gemacht, und jeder derselben mit mindestens einer der drei Sternwarten in Länge verglichen werden.
Die Anordnung und Ausführung der auf den drei Sternwarten nöthigen absoluten oder correspondirenden
Bestimmungen wird natürlich ihren Directoren überlassen,
— diejenigen auf den astronomischen Punkten übernimmt dagegen sämmtlich Plantamour in der
Voraussicht, dass ihm durch die Commission eine transportable Drehkuppel, das von Ertel bezogene
grosse Universalinstrument, und ein bei William Dubois in Locle bestellter Marine-Chronometer mit von
Hipp construirter electrischer Auslösung zur Verfügung gestellt werden.
Von den vorgesehenen Operationen sind bereits die meisten ausgeführt und sogar
publicirt worden:
Hirsch und ich [Wolf] abwechselnd am Meridiankreise beobachteten, und es wurden so die Personalgleichungen, welche wir schon in Neuenburg mit Hülfe von natürlichen und künstlichen Sternen ermittelt hatten, auch noch in dieser Weise bestimmt. —
A. 1868 absolvirte Plantamour den Weissenstein, — 1869 Bern,.— sich beidemal mit Neuenburg vergleichend. — A. 1870 kam der Simplon an die Reihe, von wo sich Plantamour nicht nur mit Neuenburg, sondern auch mit Celoria in Mailand verglich, so dass der Längenanschluss an Italien erhalten war. — A. 1872 stationirte Plantamour auf dem Gäbris, Oppolzer auf dem Pfänder; beide verglichen sich mit Zürich, wohin sie nachher noch ihre Instrumente brachten, um mit mir die Personalgleichungen zu bestimmen. Es war so der 5te und letzte der ausgewählten Punkte absolvirt, und zugleich der Längenanschluss an Oesterreich erhalten. —
A. 1876 verglich sich Plantamour von Genf aus mit Dr.Löw in Strassburg, — 1877 mit Oberst v. Orff in München und mit Capt. Basset in Lyon, während Hirsch sich von Neuenburg aus mit Comdt. Perrier in Paris verband; es waren somit auch noch zwei Anschlüsse mit Deutschland und zwei mit Frankreich erhalten, folglich, da die Längendifferenz Genf-Neuenburg schon 1861 telegraphisch bestimmt worden war, alle gewünschten Längenanschlüsse. —
Es restiren also auf diesem Gebiete, wenn nicht im Laufe der Zeit noch ganz neue Aufgaben hinzukommen, ausser einigen noch nicht ganz vollendeten Rechnungen und Publicationen, nur noch die Pendelmessungen in Neuenburg und Zürich, und allfällig noch einige wünschbare Azimuthalbestimmungen auf den drei Sternwarten.