Kapitel XXIII. Die geodätische Commission.

 

177. Die Anordnung der trigonometrischen Operationen.

Von jeher sich mit Vorliebe geodätischen Berechnungen zuwendend, interessirte sich Ritter ganz besonders für die Frage, ob unser Dreiecksnetz für den neuen Zweck genüge, und schrieb mir schon 1861 X 3:

„Il faudrait que les membres de la Commission étudiassent individuellement le travail géodésique qui s'est accompli en Suisse pour ce qui concerne la triangulation principale qui est décrite dans l'ouvrage de Eschmann intitule Ergebnisse, afin de voir si avec les observations qui y sont rapportées on peut, en les soumettant peutêtre à un procédé de calcul plus rationel que celui qui a été suivi, parvenir à couvrir la Suisse d'un réseau bien satisfaisant.

Là est il me semble le point important; car si les anciens travaux qui ont une exactitude plus que suffisante pour le but pour lequel ils ont été entrepris, ne sont cependant pas assez précis pour un but plus relevé et plus exigeant il faudrait conclure à une nouvelle triangulation complète de la traversée de la Suisse, puisque la plupart des signaux ont disparu et qu'on ne pourrait pas se contenter de mesurer quelques angles.

Ce parti qui serait tout à faire radical, n'obligerait pas cependant à des travaux aussi considérables que ceux qui ont été entrepris autrefois puisqu'il ne s'agirait que d'une traversée du Nord au Sud. En résumé, faut-il ou ne faut-il pas refaire la triangulation principale,
that is the question.
Cette question, la commission doit la discuter, mais ne peut le faire avec fruit qu'après une étude sérieuse des vieux travaux. De mon coté je vais de mon mieux me livrer à cette étude."

Ritter hielt Wort, und konnte mir schon 1862 I 5, bald nachdem er mein Programm erhalten hatte, schreiben, dass er bereits ernstlich angefangen habe die Ergebnisse zu studiren, dass er aber leider die Horizontalabschlüsse für die neuen Zwecke ganz ungenügend finde, indem sich die Fehler an einzelnen Stationen bis auf 9" und 10" belaufen.

„Et alors je me demande", schrieb er, „si les prescriptions de la méthode des moindres carrés, que recommande à bon droit le Général Baeyer, qui donneront, j'en conviens, des résultats en apparence plus concordants ou même absolument concordants, donneront réellement des résultats vrais."
Er fügte noch bei:
„C'est surtout à la question de la mesure des angles que s'attache l'importance de notre oeuvre; la valeur des côtés en toises me semble tout à fait secondaire en regard de celle-là; en effet nous aurons des points de contact avec les triangles français, allemands et italiens qui nous avoisinent et une fois que nous aurons un réseau dont les angles seront bien détermines, un travail d'ensemble montrera, j'en ai la conviction, que la valeur absolue des côtés en toises n'est pas identiquement la même aux points de contact parce qu'il n'y a rien de si peu sûr que des comparaisons d'étalons; c'est au moins une opinion que je me suis formée par l'étude des travaux faits en Angleterre pour la restauration du Yard. J'ai fait sur ce sujet une petite communication à notre classe d'industrie." (1) —

Leider wurde Ritter durch eine kurz nachher über ihn gekommene schwere Krankheit verhindert s. Studien fortzusetzen, und statt ihn in unserer ersten Commissionssitzung sein schwerwiegendes Votum in Sachen abgeben zu hören, und ihm später die Leitung der geodätischen Rechnungen mit dem unbedingtesten Zutrauen übergeben zu können, hatten wir s. Tod zu betrauern.

Indessen wurde, muthmasslich ganz in s. Sinne, beschlossen das Schweiz. Dreiecksnetz, soweit es auf die Anschlüsse der Nachbarländer influire, zu revidiren und zu vervollständigen, und Denzler speciell zu beauftragen einen Vorschlag hiefür, und namentlich für einen directern Alpenübergang, auszuarbeiten.

In Folge hievon empfahl Denzler in der Sitzung von 1863 das durch die beifolgenden zwei Skizzen (m = 5) repräsentirte Dreiecksnetz für die Gradmessungszwecke zu adoptiren, und es wurde sodann nach eingehender Discussion wirklich beschlossen von der alten Triangulation nur die bewährte Seite Chasseral-Röthi, gewissermassen als Basis, in die neuen Arbeiten übergehen zu lassen, — das vorgelegte Dreiecksnetz „sauf les modifications dont l'exécution démontrera la nécessite" definitiv anzunehmen, — und Denzler zu bitten die sämmtlichen Winkel theils so weit möglich selbst zu messen, theils unter s. Leitung messen zu lassen. —

Gradmessung Netz 1

Das von Denzler ausgemittelte Dreiecksnetz repräsentirt entschieden, namentlich was den Alpenübergang anbetrifft, einen wesentlichen Fortschritt gegenüber dem alten Netze (2), und erhielt auch den ungetheilten Beifall von General Baeyer, der mir darüber 1864 III 11 schrieb:
„Es hat mich sehr interessirt, dass es Herrn Denzler gelungen ist ein Dreiecksnetz über die Alpen zu führen, welches aus lauter zugänglichen Punkten besteht, so dass in sämmtlichen Dreiecken alle drei Winkel gemessen werden können. Ich hatte das nicht für möglich gehalten. Ich bitte Sie Herrn Denzler mein Compliment über sein Dreiecksnetz zu machen."
Allerdings ist hiebei nicht zu vergessen, dass Denzler gegenüber s. Vorgängern den Dufour-Atlas voraus hatte, und in s. Abhandlung über die Wechselbeziehungen zwischen den Bergbesteigungen und den topographischen Vermessungen (3) bei Schilderung des Nutzens jenes Hülfsmittels selbst sagt:
„So ist im tiefen Winter, im Zimmer, von mir das neue, einfache Dreiecksnetz für die schweizerische Abtheilung der mitteleuropäischen Gradmessung ausgeführt worden, dessen Auffindung vor 30 Jahren eine Menge Bergbesteigungen hoher Alpengipfel um den Gotthard herum veranlasste, und das schliesslich unmöglich erschien."

Gradmessung Netz 2

Aber immerhin ist dieses Dreiecksnetz, eine bemerkenswerthe Leistung, und es ist nur zu bedauern, dass Denzler in der Folge bei Anordnung der betreffenden Messungen sich nicht entschliessen konnte mit alten Gewohnheiten zu brechen, und den ihm wohl bekannten Intentionen der Commission volle Rechnung zu tragen, — den Vorzug centrischer Beobachtungspfeiler, der systematischen Feststellung von Richtungen unter zweckmässiger Beiziehung von Heliotropen (4), etc. gebührend anzuerkennen, — und überhaupt darauf zu sehen, dass das von ihm und den nach s. Instruction arbeitenden Ingenieuren (5) gesammelte Beobachtungsmaterial in jeder Hinsicht homogen sei, und möglichst viele Controlmittel enthalte.

Diese Versäumniss rächte sich bitter als eine erste Rechnung versucht wurde (6) ; die nach erfolgter Centrirung und vorläufiger Ausgleichung erhaltenen Horizont- und Dreiecksabschlüsse genügten den Anforderungen absolut nicht, es mussten erst noch durch Denzler und dann später durch Siegfried ziemlich umfangsreiche Ergänzungsarbeiten angeordnet werden, — und wenn auch bei Letzteren die gewünschten Methoden zur vollen Anwendung kamen, so war es doch nicht mehr möglich alle und jede Consequenzen des früher eingehaltenen Verfahrens zu verwischen.

Immerhin ist sicher zu hoffen dass, wenn die kürzlich in Vorschlag gebrachten, bei so schwierigen Verhältnissen jeder Art wohl das wirksamste Mittel gegen Anhäufung von Fehlern bildenden Messungen einiger Hülfsbasen möglich werden, schliesslich auch dieser Theil der Arbeit zu einem befriedigenden Abschlüsse gelangen werde.