Kapitel II. Die ältesten Karten

 

7. Münster's erste geographische Publicationen.

Münster gab schon seiner 1528 zu Oppenheim erschienenen „Erklerung des newen Instruments der Sunnen nach allen seinen Schey-ben und Circkeln" nicht nur ein von ihm selbst entworfenes Kärtchen der Umgegend von Heidelberg bei, über welches unten ein Mehreres folgen wird, sondern namentlich auch eine „Vermanung an alle liebhaber der künstenn hilff zu thun zu warer und rechter beschreybung Teutscher Nation."

Er klagt darin bitter mit welchem Leichtsinn die „Landtaffel Teutscher nation" bis jetzt behandelt worden sei, wie „je eyner dem ändern nachtrucke, es sey gerecht oder nit", — spricht seinen festen Vorsatz aus eine sorgfältigere Beschreibung Deutschlands zu unternehmen, und ruft unter Anderm seinen Landsleuten zu: „O ir frummen teutschen helffet mir unser gemeyn teutsch vatterlandt zu billichen eeren erheben, und ir verborgen zierung an tag bringen, darmit ir mit mir bey unsern nachkommen eyn ewigs lob unn gedechtnus erkriegen werden."

Wie weit sein Aufruf Erfolg hatte, kann ich nicht bestimmen; aber so viel ist sicher dass er selbst seinen Plan unentwegt verfolgte, — Beweis dafür die von ihm 1537 zu Frankfurt ausgegebene „Cosmographei. Mappa Europae, eygentlich fürgebildet, aussgelegt und beschrieben!!." In dieser Schrift (1), welcher ausser dem bereits erwähnten und für sie nochmals reproducirten Kärtchen der Umgegend von Heidelberg (2), eine „Tabula Europe" und eine „Beschribung des Rynstramss von Basel biss ghan Mentz" beigegeben ist, hat für uns, da auf der Karte von Europa die Schweiz kaum sichtbar ist (3), und die Rheinkarte dieselbe nur berührt (4), jenes Heidelberger - Kärtchen das meiste Interesse, weil Münster an demselben zeigt, wie der „Umkreiss einer statt oder Landschafft" mit Hülfe von Boussole und Halbkreis (5) aufgenommen werden kann: Man steigt auf einen Thurm oder Berg, — stellt den Halbkreis mit Hülfe der Boussole so auf, dass seine Mittellinie in den Meridian fällt, — richtet nun den drehbaren Radius auf verschiedene von da aus sichtbare Punkte, jeweilen ablesend, — verzeichnet die so erhaltenen Azimuthe, — und trägt schliesslich auf jede dadurch erhaltene Richtung die Anzahl Meilen auf, welche man für die Distanzen der betreffenden Punkte durch „fuss-gang oder ritt" erhalten hat; dann begibt man sich auf einen dieser neu bestimmten Punkte, — operiert da wieder in ähnlicher Weise, — und fährt so fort bis man eine hinlängliche Anzahl von Punkten festgelegt hat, um das Uebrige mit Sicherheit einzeichnen zu können. So roh nun auch noch dieses Verfahren ist, so zeigt es uns doch wie grosse Mühe sich Münster gab, wenigstens in den ihm zugänglichen Parthien etwas Ordnung zu schaffen, und sich vom blossen Aufzeichnen nach dem Augenmasse möglichst zu emancipiren.